Ihre individuelle Antwort auf Ihre Frage erhalten Sie diskret per E-Mail innerhalb von max. 48 h durch unser Expertenteam.


📌 Frage:

Seit ein paar Wochen besteht die Vermutung, dass einer meiner Schüler (15j), «mehr als nur Zigaretten» raucht. Vor allem nach der Mittagspause dreht er richtig auf, ist äusserst kommunikativ und macht witzige Sprüche. Zwischendurch ist der Duft von gerauchtem Cannabis zu riechen. Er ist ein durchschnittlich bis guter Schüler. Und nun, was tun?

 

 

🔦  Experten-Antwort:

Da sein Verhalten eher unauffällig und seine Leistungen gut sind, haben Sie bisher nicht reagiert, aber denken wohl, es ist nun an der Zeit zu reagieren. Das finde ich wichtig, darum nur Mut! Folgendes Vorgehen könnte helfen:

🔎   Konkret:

  • Konfrontieren Sie erst danach den Schüler in einem vertraulichen Erstgespräch mit Ihren Beobachtungen resp. mit allfälligen Gerüchten, Bemerkungen, Klagen anderer und allenfalls Ihrer ehrlichen Sorge um seine Gesundheit. Weisen Sie dabei auf die Gefährdung der Sicherheit (z.B. beim Werkunterricht oder im Sport) und die in Ihrer Schule geltenden Regeln hin.
  • Option 1: der Schüler nimmt Stellung, streitet allenfalls ab, verharmlost. Zu diesem Zeitpunkt gilt die Unschuldsvermutung.  Zudem sind die Leistungen des Schülers bisher gut. Darum werden noch keine Sanktionen ausgesprochen. Dennoch bestehen Sie auf der Einhaltung der Regeln und geben ihm die Chance, Sie und „die Schule“ ab sofort davon zu überzeugen, dass dieser während den Pausen weder kifft noch andere Drogen konsumiert (> Es gibt keine Gerüche mehr, kein auffälliges Verhalten, keine Bemekrungen / Klagen von Anderen). Falls es in den nächsten 7 Tagen dennoch schwierig wird, diese eben besprochenen Regeln zu befolgen, soll der Schüler selbstständig das Gespräch mit Ihnen suchen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.
  • Option 2: der Schüler gibt zu, dass er kifft oder andere Drogen nimmt und verharmlost sein Verhalten. Dann bestehen Sie auf der Einhaltung der Regeln und verlangen von ihm, Sie ab sofort davon zu überzeugen, dass er während den Pausen weder kifft noch andere Drogen konsumiert. Als erste Sanktion schlagen wir vor, dem Schüler eine Probezeit von 7 Tagen zu gewähren, danach die Erziehungsberechtigten zu informieren und so rasch wie möglich gemeinsam das weitere Vorgehen zu besprechen.

  • Option 3: angenommen Ihr Schüler gibt zu, dass er kifft oder andere Drogen nimmt und signalisiert den Wunsch nach Hilfe, wird diese Thematik bereits im Erstgespräch aufgenommen. Dann geht es bereits um eine Lösungsfindung. Denn suchtgefährdete Menschen haben oft mit grossen persönlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Jede weitere Schwierigkeit erhöht das Risiko, in die Abhängigkeit abzugleiten. Deshalb sollte nach Möglichkeit gemeinsam mit der Schulleitung / Behörde die Fortsetzung der Schulpflicht - allenfalls begleitet durch einen Entzug - angestrebt werden.
🚩  Bei allen drei Optionen wird das jeweilige Erstgespräch protokolliert und von beiden Anwesenden unterschrieben. Dazu erstellen Sie eine Kurzdokumentation zuhanden der Schulleitung und Behörde. In der Folgewoche wird das gemeinsame Zweitgespräch wieder aufgenommen und das weitere Vorgehen geklärt. Falls der Jugendliche weiterhin Drogen konsumiert, werden die Erziehungsberechtigten informiert und zum Gespräch eingeladen. Ziel dabei ist dann, die Schul- und Lebenssituation zu beleuchten und allenfalls Veränderungspotential zu identifizieren.
 

 

📌 Frage: 

Ich bin Lehrperson von Jugendlichen und habe den Verdacht, dass eine meiner Schülerinnen an Magersucht leidet.

Ich weiss nicht ob und wie ich sie darauf ansprechen soll.

Was raten Sie mir?

🔦  Experten-Antwort:

Danke für Ihre Anfrage. Sie möchten gerne wissen, ob man bei einem Verdacht auf eine Essstörung die Person direkt darauf ansprechen soll und was dabei beachtet werden soll.

 

Bitte beachten Sie, dass Jugendliche mit Essstörungen diese meist verharmlosen oder abstreiten, denn diese Tätigkeit ist mit Scham besetzt. Deshalb ist es hilfreich, sich zuerst über das Ziel des Gesprächs Gedanken zu machen. Was soll das Gespräch der Schülerin «bringen» und warum möchten Sie das Gespräch führen? Grundsätzlich ist es hilfreich Jugendliche mit ihrem Verhalten zu konfrontieren und diese dabei spüren, dass Sie als Lehrperson sich Sorgen machen.

 

🔎   Konkret:

Versuchen Sie für das Gespräch ein Setting zu finden, bei dem es möglich ist, für ein paar Minuten ungestört reden zu können. Äussern Sie Ihre Befürchtungen, dass sich die junge Frau – aus welchen Gründen auch immer – körperlich schaden könnte. Bieten Sie ihr an, in der kommenden Woche das Gespräch weiterzuführen, allenfalls mit einer Vertrauensperson (z.B. Schulpsychologe/in).

 

Sichern Sie der jugendlichen Person Vertraulichkeit zu und verzichten Sie darauf die Handlung zu bewerten. Jugendliche mit Essstörungen haben oft mit grossen persönlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Jede weitere Schwierigkeit (Gruppendruck, Leistungsdruck etc.) erhöht das Risiko in die Abhängigkeit abzugleiten.

 

Weiterführende Informationen dazu entnehmen Sie aus dem KrisenKompass® - PLUS zum Thema "Essstörungen".

 

📌 Frage:

Marco,12j, ein etwas frühreifer Jugendlicher in unserer Klasse, hat sich am letzten Wochenende das Leben nehmen wollen. Nun liegt er im Spital und kommt wohl nächste Woche wieder in die Klasse zurück. Worauf sollte ich dabei achten? 

 

🔦  Experten-Antwort:

Diese Rückkehr nach einem Suizidversuch in die gewohnte Umgebung muss in der Tat gut durchdacht werden und die Betroffenheit der anderen Schüler spielt dabei eine wesentliche Rolle.

 

🔎   Konkret:

Konfrontieren Sie die ganze Klasse in einem geeigneten Gesprächsmoment mit der bevorstehenden Rückkehr. Dabei geht es nicht darum festzustellen, wie weit andere Schülerinnen und Schüler vom Suizidversuch gewusst und allenfalls Einfluss genommen haben.

Es geht darum, die Tat weder zu verharmlosen noch als mutige Handlung zu qualifizieren. Weiterführende Informationen dazu entnehmen Sie aus dem KrisenKompass® - PLUS zum Thema Suizidalität: Risikofaktoren in der Schule / Peergroup.

 

Nutzen Sie die Situation, um mit den vorherrschenden Mythen zum Thema Suizid auszuräumen und auf die gefährliche Sogwirkung der einschlägigen Internetforen hinzuweisen. Wenn allen Schülerinnen und Schüler klar ist, dass die meisten Menschen ihre Suizidabsichten vorher ankündigen und damit Signale aussenden, man möge ihre unerträgliche Lebenssituation ernst nehmen, dann wird ein Suizidversuch als Hilferuf verstanden, der auch darauf hinweist, dass bisher keine Alternative zur Verbesserung gefunden werden konnte.

 

Gleichzeitig muss verstanden werden, dass die meisten Suizidabsichten aus einer momentanen Krise heraus entstehen und wieder verschwinden, wenn diese Krise überwunden werden kann. Danach ist zwar die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Marco später erneut diesen Weg wählt, dennoch ist die Chance gross, dass er erfolgreich darüber hinweg kommt. Umso wichtiger ist, seine Rückkehr weder "gross" zu zelebrieren, noch zu bagatellisieren. Es reicht, Marco zu signalisieren, wie froh Sie alle sind, dass er noch lebt und dass Sie immer wieder Gesprächsbereitschaft zeigen. Zudem ist wichtig, dass die Schule auch eine trauerfreie Zone sein kann.

Bitte beachten Sie zusätzlich im KrisenKompass® PLUS das Thema "Eigene Betroffenheit".

 

Noch ein Hinweis:

Allenfalls ist der Vorfall auch Grund, die Atmosphäre in Ihrer Klasse und im Schulhaus zu überprüfen und Energie in Richtung Teambildung zu investieren. Falls Marco unter der dort herrschenden Gruppendynamik gelitten hat, wäre es nun an der Zeit, dies anzugehen. Bitte beachten Sie  ev. zusätzlich im KrisenKompass® PLUS das Thema "Mobbing".

 

Stellen Sie Ihre Frage an unser Expertenteam und Sie erhalten innerhalb von max. 48 h Ihre individuelle Antwort.