Rückkehr nach einem Suizidversuch

Ein Lehrperson fragte:

"Marco,12j, ein etwas frühreifer Jugendlicher in unserer Klasse, hat sich am letzten Wochenende das Leben nehmen wollen. Nun liegt er im Spital und kommt wohl nächste Woche wieder in die Klasse zurück. Worauf sollte ich dabei achten? "


Experten-Antwort

Diese Rückkehr nach einem Suizidversuch in die gewohnte Umgebung muss in der Tat gut durchdacht werden und die Betroffenheit der anderen Schüler spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Konkret

Konfrontieren Sie die ganze Klasse in einem geeigneten Gesprächsmoment mit der bevorstehenden Rückkehr. Dabei geht es nicht darum festzustellen, wie weit andere Schülerinnen und Schüler vom Suizidversuch gewusst und allenfalls Einfluss genommen haben.

Es geht darum, die Tat weder zu verharmlosen noch als mutige Handlung zu qualifizieren. Weiterführende Informationen dazu entnehmen Sie aus dem KrisenKompass® - PLUS zum Thema Suizidalität: Risikofaktoren in der Schule / Peergroup.

 

Nutzen Sie die Situation, um mit den vorherrschenden Mythen zum Thema Suizid auszuräumen und auf die gefährliche Sogwirkung der einschlägigen Internetforen hinzuweisen. Wenn allen Schülerinnen und Schüler klar ist, dass die meisten Menschen ihre Suizidabsichten vorher ankündigen und damit Signale aussenden, man möge ihre unerträgliche Lebenssituation ernst nehmen, dann wird ein Suizidversuch als Hilferuf verstanden, der auch darauf hinweist, dass bisher keine Alternative zur Verbesserung gefunden werden konnte.

 

Gleichzeitig muss verstanden werden, dass die meisten Suizidabsichten aus einer momentanen Krise heraus entstehen und wieder verschwinden, wenn diese Krise überwunden werden kann. Danach ist zwar die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Marco später erneut diesen Weg wählt, dennoch ist die Chance gross, dass er erfolgreich darüber hinweg kommt. Umso wichtiger ist, seine Rückkehr weder "gross" zu zelebrieren, noch zu bagatellisieren. Es reicht, Marco zu signalisieren, wie froh Sie alle sind, dass er noch lebt und dass Sie immer wieder Gesprächsbereitschaft zeigen. Zudem ist wichtig, dass die Schule auch eine trauerfreie Zone sein kann.

 

Weiterführende Informationen dazu entnehmen Sie aus dem KrisenKompass® - PLUS:

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Noch ein Hinweis

 

Allenfalls ist der Vorfall auch Grund, die Atmosphäre in Ihrer Klasse und im Schulhaus zu überprüfen und Energie in Richtung Teambildung zu investieren. Falls Marco unter der dort herrschenden Gruppendynamik gelitten hat, wäre es nun an der Zeit, dies anzugehen. Bitte beachten Sie  ev. zusätzlich im KrisenKompass® PLUS das Thema "Mobbing".

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